Studentisches Fechten früher
Die einst vom Rittertum und von bürgerlichen Fechtergilden gepflegte Fechtkunst hat sich in Leipzg über Jahrhunderte hinweg als studentische Standessitte erhalten. So stand auch der Jurastudent Johann Wolfgang Goethe 1767 einem anderen Leipziger Studenten im Zweikampf gegenüber. An die Stelle der bis zum Ausgang des 18.Jahrhunderts üblichen Raufhändel setzten die Corps für den Kampf mit der blanken Waffe strenge Regeln fest und entwickelten die moderne Mensur. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „mensura“ ab und bezeichnet den Abstand zwischen den beiden Fechtern. In der Frühzeit focht man mit freiem Gesicht, aber mit Hut oder Mütze. Zur Kontrolle waren und sind bis heute ein „Unparteiischer“ als eine Art Schiedrichter und ein Mediziner („Paukarzt“) zur schnellen Versorgung etwa auftretender Verletzungen dabei.
Später verbesserte man laufend die Schutzbekleidung. Um 1860 führten wir in Leipzig zur Sicherheit für die Augen eine eiserne „Paukbrille“ ein, die im 20.Jahrhundert mit einem besonderen Schutzblech für die Nase versehen wurde.

Die Mensur heute
Manch einer bezeichnet die Mensur als Extremsport der Studentenverbindungen. Im Gegensatz zu den gängigen Sportarten gibt es bei unserem akademischen Fechten keinen Gewinner oder Verlierer. Die Mensur besteht, wer die Extremsituation mit Mut und Selbstbeherrschung bewältigt. Dabei kann man auch mal über sich hinauswachsen und zeigen, wie sehr man hinter seinem Bund steht, frei nach dem Motto „Taten sagen mehr als Worte“. Das Gemeinschaftserlebnis schweißt die Corpsbrüder enger zusammen – wie bei einem Boxkampf hat jeder Fechter auf seiner Seite die Corpsbrüder, die ihm in dieser Situation zur Seite stehen und ihn moralisch unterstützen. Die gleiche Unterstützung, der er sich auch sonst immer gewiss sein kann. Sehr darauf bedacht, Verletzungen vorzubeugen, trainieren wir das Fechten bis zu fünfmal in der Woche, einmal unter fachgerechter Anleitung durch einen Berufsfechtmeister. Die Übungsstunden sind so festgelegt, daß sie sich mit den Studienplänen der Aktiven vereinbaren lassen. Wer sich unser Training einmal ansehen möchte, sei hiermit herzlich eingeladen. Anmeldung am besten montags ab 20 Uhr im Lausitzerhaus Karl-Heine-Straße 14.