Heutzutage kennt die Masse der deutschen Studenten keine Studentenlieder mehr. Zugegeben: ein Teil der im „Allgemeinen Deutschen Kommersbuch“ (erste Auflage 1858) enthaltenen Lieder erscheint allzu stark einem verflossenen Zeitgeist verhaftet zu sein, andere aber sind modern wie eh und je. Als geschichtsbewußte Studenten singen wir gern die schon von unseren Vor-Vätern im Corps seit 1807 auf den Kneipen begeistert angestimmten Lieder. Auf die Pflege des reichen studententischen Liedguts legt Lusatia besonderen Wert. Im Gegensatz zu anderen Korporationen, die auf ihren Kneipen nur ein Standardprogramm weniger Lieder absolvieren, wollen wir eine breite Palette schöner alter Studentenlieder kennenlernen und singen. Dazu geben wir ein eigenes Liederheft heraus, das laufend nach etwa drei Semestern um neue Lieder bereichert wird. Trinklieder des ehemaligen Leipziger Studenten Johann Wolfgang Goethe sind dabei, nationale Freiheitslieder aus unserer Gründungszeit ebenso wie das international bekannte „Gaudeames igitur“ . Jährlich auf dem Stiftungsfestkommers singen wir die in alter Zeit von Lausitzern zu Ehren unserer Stifter und unserer Farben verfaßten Lieder, die keine „tierisch ernsten“, sondern eher humoristische Züge tragen. Einen hohen Stellenwert besitzt das erstmals von unseren Kriegs- und Nachkriegsaktiven begeistert gesungene kämpferische Trutzlied „Nein, ihr könnt uns nicht begreifen“. An die neuere Geschichte erinnert das bei unserer Rückkehr nach Leipzig 1990 gesungene Lied, dessen zweite Strophe bereits 1988 in der „DDR-Verbindung“ Kröllwitzer SC zu Halle angestimmt wurde:

Start in Leipzig
O alte Burschenherrlichkeit,
du bist noch nicht entschwunden!
Jetzt kehrst du wieder, goldne Zeit,
so froh und ungebunden!
In Leipzig hallt Kommersgesang
und auch des Glockenschlägers Klang.
Und den laßt fest uns halten!
Wir bleiben stets die alten.

Es braust ein Ruf von Haus zu Haus
in Jena, Leipzig, Halle,
in Greifswald, Tharandt, Rostock auch,
wo wir studieren alle.
Vom Rhöngebirg zum Oderhaff
wird wiederum gekneipt recht brav
so wie in alten Zeiten
– und das in unsren Breiten!

Drum Brüder reichet euch die Hand,
damit es sich erneure,
der alten Freundschaft heilges Band,
das alte Band der Treue.
Lusatia soll in Leipzig stehn,
mit Burschen, Füchsen neu erblühn!
Lusatia möge wachsen
als älteste in Sachsen!